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Neun, die eigentlich zehn sind

Am 24. August 2006 wurde dem damaligen Planeten Pluto ja bekanntlich der Planetenstatus aberkannt und er selbst zum Zwergplaneten degradiert. Ich persönlich war und bin kein Freund solcher Maßnahmen. Auch wenn Pluto kleiner ist, als manche Himmelsobjekte in unserem Sonnensystem und auch wenn er eine stark geneigte und sehr elliptische Umlaufbahn aufweist, ist dies aus meiner Sicht kein Grund den Planetenstatus abzuerkennen. Schließlich ist er irgendwann einmal zum 9. Planeten ernannt worden. Und wenn nachher immer größere Objekte erkannt werden, ist es halt so. Ich bin kurz gesagt Gegner davon, historisch bedingte Gegebenheiten abzuändern, nur weil Sie einem jetzt nicht mehr in den Kram passen (auch die Abänderung der österreichischen Bundeshymne ist aus meiner Sicht so ein spezielles Thema …).

Aber fast 10 Jahre nach dieser unrühmlichen Maßnahme könnte es eine Genugtuung für Pluto geben. Denn es verdichten sich die Hinweise auf einen neunten Planeten, der eigentlich der zehnte wäre.

Pluto

Brandaktueller Beitrag zum Thema von Tim Ruster von astro-comics.de

Am Rande des Sonnensystems

Die beiden Astronomen Konstantin Batygin und Mike Brown vom California Institute of Technology in Pasadena behaupten, dass der bereits theoretisch vorhergesagte Planet X (aber X steht hier leider nicht für zehn, sondern für einen beliebigen Platzhalter) tatsächlich existieren könnte. Dieser läge demnach im Kuipergürtel und von der Größe her nahe Neptun. Zweifelsohne wäre dies aus meiner Sicht die Entdeckung des Jahrhunderts. Im  „Astronomical Journal“ haben die beiden Daten veröffentlicht, laut derer der neunte Planet in etwa 10.000 bis 20.000 Jahren einmal die Sonne umkreist. Wahnsinn! Bei Pluto sind es „nur“ rund 250 Jahre. Alleine daraus kann man sehen, dass dieser Himmelskörper unglaublich weit von unserem Zentralgestirn entfernt sein muss. Laut Batygin und Brown zwischen 200 und 1.000 AE (Astronomischen Einheiten 1) auf einer sehr langgestreckten elliptischen Bahn.

Fernab von Pluto – Einfach raus geschleudert!?

Die Astronomen vermuten weiters, dass der Riese kurz nach der Entstehung unseres Sonnensystems durch gravitative Wechselwirkung mit Jupiter (na klar, der Dicke hat sich wieder wichtig gemacht) oder Saturn aus dem inneren Bereich geschleudert wurde und seit dem in eisiger Kälte sein Dasein fristet. Eine direkte Beobachtung hat es (klarer Weise) bis jetzt nicht gegeben (denn dann wäre es ja fix) aber anhand anderer Objekte aus dem Kuipergürtel und deren Verhalten kann offenbar auf den Zusatzplaneten geschlossen werden. Bereits seit längerem wird nämlich vermutet, dass deren Bewegungen durch einen unbekannten, großen Himmelskörper beeinflusst wird.

Abweichung vom Ursprungsziel

Eine Ursprungstheorie, veröffentlicht in einem „Nature“- Artikel von Scott Sheppard und Chad Trujillo, sagte bereits im Jahr 2014 die Existenz des neunten Planeten voraus. Eigentlich trachteten Batygin und Brown danach, zu beweisen, dass der ominöse Planet X eben nicht existiert. Die Sache ging dann wohl schief. Herausgekommen sind Hinweise darauf, dass er existiert (das macht ja nichts, solange es im Dienste der Wissenschaft passiert).

Je länger sich die beiden nämlich mit dem Bahnverhalten der Objekte aus dem Kuipergürtel auseinander setzten und je mehr Simulationen sie durchführten, desto mehr kamen Sie zu dem Schluss, dass Sheppard und Trujillo recht hatten. Sheppard, der nun auch als Co-Autor bei der aktuellen Veröffentlichung von Brown/Batygin fungiert stellt allerdings fest: „Bis wir Planet X tatsächlich sehen können, bleibt es fraglich, ob er auch wirklich existiert.“ Die Berechnungen wären zwar aus seiner Sicht allesamt schlüssig aber die beeinflussten Himmelsobjekte sind nicht gerade groß und deren Anzahl auch nicht besonders hoch. Es wären daher weitere, konkrete Beobachtungen erforderlich, die die veröffentlichten Theorien und Berechnungen bestätigen.

Bis dahin harren wir gespannt der Dinge und trauern um unseren Pluto, den man auf so verächtliche Weise aus dem Team geworfen hat …

Mein besonderer Dank gilt Tim Ruster von astro-comics.de, der mir das Beitrags-Comic dieses Artikels zur Verfügung gestellt hat. Schauen Sie auch auf seiner Homepage vorbei und sichten Sie weitere, irrwitzige Comics zum interstellaren Sein.

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1 Eine Astronomische Einheit (kurz AE) ist der Abstand zwischen Sonne und Erde und beträgt rund 150 Millionen Kilometer.

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