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Ein Wimmerl im Weltall

Zum Thema großer roter Fleck: Ein Blick in den Spiegel und ach du Schreck – da ist ein Wimmerl 1, es muss dringend weg. Immer wenn uns die kleinen roten Flecken im Gesicht zu schaffen machen, schmieren und drücken wir, was das Zeug hält. Was übrig bleibt, sind meist rote Pusteln, Narben oder unansehnliche Druckstellen. Nun, was soll dann bitteschön Jupiter sagen? Sein Wimmerl wird sogar von uns als groß bezeichnet, er hat es seit mindestens 350 Jahren und bekommt es nicht weg – Gott sei Dank hat er keinen Spiegel. Aber die gute Nachricht für unseren großen Nachbarn: Es schrumpft!

Der große rote Fleck

Spaß beiseite. Jupiter bräuchte auch mit seinem großen roten Fleck keine Verabredung scheuen. Schließlich handelt es sich um ein einzigartiges Merkmal in unserem Sonnensystem. Heute gehe ich der Frage nach, um was es sich dabei genau handelt und was es sonst noch wissenswertes über ihn gibt …

Der „große Rote Fleck“ (kurz GRF) oder „Great Red Spot“ (kurz GRS) wurde am 09. Mai 1664 durch den Engländer Robert Hooke (1635 – 1702) erstmals beschrieben. Es handelt sich dabei um einen gewaltigen, ovalen Wirbelsturm, einen sogenannten Antizyklon, der in seiner Länge derzeit rund 16.000 km und in seiner Breite rund 13.000 km aufweist. Alles in allem ein wenig mehr als ein Erddurchmesser. Und das ist für einen einzigen Wirbelsturm schon sehr beeindruckend, obwohl er noch vor 100 Jahren fast dreimal so groß war. Aber nicht nur das, sondern auch die Tatsache, dass der Wirbelsturm bereits mindestens 350 Jahre ohne Unterbrechung aktiv ist, finde ich mehr als faszinierend.

Warum rot?

Eine spannende und noch nicht zur Gänze geklärte Frage ist die nach seiner Farbe. Der große rote Fleck ist nämlich blass rot, mit einem Hang zum orangen, wobei er im Zentrum röter ist, als am Rand. Eine der plausibelsten Theorien besagt, dass dieses Farbenspiel durch aufgewirbelte Gase verursacht wird, die mit dem Licht der Sonne reagieren. Die enthaltenen chemischen Verbindungen werden dadurch sichtbar. Im Labor hat man die besten Ergebnisse mit einer Mischung aus Ammoniak und Acetylen erzielt. Fakt ist jedenfalls, dass die Farbe im Laufe der Jahre geringfügig wechselt und einmal mehr zu orange und einmal mehr rot neigt. Beachtlich ist auch, dass der Wirbelsturm die anderen Wolkenschichten um rund acht Kilometer überragt, wodurch er für uns erst so gut sichtbar wird.

Drehrichtung und Temperatur

Lange Zeit glaubte man, dass der große rote Fleck ein ovales, eher unstrukturiertes und einfaches Gebilde sei, was jedoch weit gefehlt ist. In Wirklichkeit handelt es sich um ein sehr komplexes System, in dem Temperaturdifferenzen und Drehrichtungen eine gewichtige Rolle spielen.

Die gewaltigen Gasmassen drehen sich nämlich nicht nur in eine Richtung. Offenbar reicht der Temperaturunterschied zwischen der zentralen- und der äußeren Region des Antizyklons aus, dass sich der innere Teil des Sturms mit dem Uhrzeigersinn dreht, während sich der wesentlich größere Teil außerhalb gegen den Uhrzeiger bewegt.

Die erkennbaren dunklen Streifen in den Randzonen könnten laut Forschern ein Indiz dafür sein, dass hier kühlere Gase absinken.

Großer roter Fleck wird kleiner

großer roter Fleck

Der großer rote Fleck schrumpft von eindeutig oval bis eher kreisförmig. Quelle: siehe Bildnachweise

Noch Ende des 19. Jahrhunderts hatte der Wirbelsturm eine maximale Längenausdehnung von knapp über 40.000 km, welche bereits um 1980 auf rund 23.000 km zusammengeschrumpft war. 1995 betrug seine größte Ausdehnung noch 21.000 km, während sie aktuell zirka 16.000 km beträgt. Sie sehen also, der Fleck schrumpft. Mein persönlicher Lösungsansatz: Jupiter hat in 200 Jahren eine Verabredung mit einem anderen Planeten und möchte schick sein, daher schmiert er Hautcreme, was das Zeug hält, um den Fleck wegzubekommen …

Auf das tatsächliche Verkleinerungsproblem sind Astronomen noch nicht gestoßen. Es ist aber ein Faktum, dass durch klimatische Schwankungen und der leicht veränderlichen Gashülle des Jupiter ständig neue Strukturen entstehen und wieder verschwinden. Es ist also gut möglich, dass der große rote Fleck – selbst nach irdischem Ermessen – bald der Vergangenheit angehört. Ewig Schade …

Einen Artikel, der sich hauptsächlich mit der chemischen Zusammensetzung des großen roten Flecks beschäftigt, finden Sie hier: http://derstandard.at/2000009898402/Jupiters-Grosser-Roter-Fleck-ist-moeglicherweise-ein-Sonnenbrand

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1 Ein „Wimmerl“ ist in im österreichischen und bayrischen Sprachraum das, was in großen Teilen Deutschlands als „Pustel“ bezeichnet wird.

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1 Comment

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  1. Beobachtungen von Amateurastronomen hatte gezeigt, dass der Fleck offenbar seit 2012 mit zunehmender Geschwindigkeit kleiner wird. Die Größe des Flecks reduziert sich inzwischen jedes Jahr um knapp 1.000 Kilometer. Also kann man davon ausgehen, dass der Große Rote Fleck in 16 Jahren vollkommen verschwunden ist?
    LG Moni

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